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    Der Geschenkkorb

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    Was ich Amerika zum 250. Geburtstag schenke — und warum die böse Wahrheit die ehrlichste Liebe ist

    Ich muss mit einem Geständnis anfangen, sonst ist alles Weitere billig. Als Kind fand ich
    Reagan toll. Ich meine das nicht ironisch. Ich war ein kleiner Österreicher mit einem Herzen
    voller Cowboyfilme, Cadillacs und Cape Canaveral, und Amerika war das Land, in dem die Zukunft
    wohnte, die uns anderen nur geliehen wurde.

    Ich habe diese Liebe nie ganz verloren, und genaudeshalb darf ich diesen Text schreiben.

    Wer nie geliebt hat, schüttet nur an.

    Wer geliebt hatund zusehen musste, wie sich das Geliebte verläuft, der trauert, und Trauer ist ein präziseres
    Instrument als Hass. Ich habe nicht einmal angefangen nachzudenken, welchen Korb böser Wahrheit
    ich Amerika zum zweihundertfünfzigjährigen Grausamkeits-Geburtstag schenken möchte, und der
    Korb ist schon voll. Packen wir ihn aus.

    Ganz unten liegt das Fundament, auf dem alles steht, und es ist Knochen. Die Indianermassaker,
    der Landraub wie noch nie zuvor in der Geschichte der Menschheit, ein ganzer Kontinent, der
    seinen Besitzern abgenommen wurde, nicht in einem Krieg, sondern in einem Jahrhundert von
    Kriegen, Verträgen, die gebrochen wurden, sobald die Tinte trocken war, Reservaten, die immer
    kleiner wurden, weil unter ihnen etwas gefunden wurde.

    Darüber die Sklaverei in industriellem Ausmaß, nicht die alte Sklaverei der Antike, sondern eine durchrationalisierte, rassifizierte,
    über Generationen vererbte Menschenzucht, die den Reichtum baute, auf dem die Freiheitsstatue
    steht.

    Und darüber, bis heute, der widerliche Rassismus, der sich nie erledigt hat, nur Kostüme wechselte. Ein Land, das sich in seiner Verfassung die Gleichheit aller Menschen an den Anfang schrieb und drei Fünftel eines Menschen für einen Sklaven in dieselbe Verfassung
    rechnete. Diese Gründungslüge ist kein Betriebsunfall. Sie ist die DNA.

    Legen wir die Gegenwart daneben, damit niemand sagt, das sei doch alles lange her. Ich mag
    Kalifornien, ich mag es wirklich, aber wenn wir die Obdachlosenzelte in euren Städten zählen,
    seid ihr Dritte-Welt-Niveau. Das reichste Land der Geschichte lässt Menschen in Zelten unter
    Autobahnbrücken verrotten, in Sichtweite von Firmenzentralen, die mehr wert sind als ganze
    Nationalstaaten.

    Ihr lebt wie kein anderes Volk von innerer und äußerer Ausbeutung, und das
    ist keine Parole, das ist eine Bilanz: Der Wohlstand oben speist sich aus der Verwahrlosung
    unten und aus der Verwertung draußen.

    Und dann, immer wieder, dieser Schmiss aus reiner Laune wie die im Stich gelassenen afghanischen Frauen und Helfer, die euch vertraut haben, weil ihr ihnen etwas versprochen habt, und die ihr fallen lasst, sobald sich der Präsident,in diesem Fall Biden, dessen Abzug aus emotionalen Gründen statt Verstand passierte und die Stimmung
    drehen.

    Es scheint jeder Eurer Führer schiesst in dei Ecke und niemand wischt es weg. Mit Donald wurde es natürlich nicht besser. Seit Anfang 2026 kein einziges Special Immigrant Visa mehr für Afghanen ausgestellt, rund hunderttausendundmehr mit zugesagter Anerkennung, die warten, elfhundert Menschen in einem Lager in Katar hängengelassen, achthundert davon Frauen und Kinder, hundertfünfzig davon
    direkte Angehörige aktiver US-Soldaten.

    Das ist keine Statistik, das ist Wortbruch mit Gesicht. Ein Versprechen, das man bricht, sobald sich die Stimmung dreht, ist keine Freundschaft, sondern eine Laune und eine Laune ist ein schlechtes Fundament für ein Bündnis, das die halbe Welt trägt.

    Und über all dem eine geradezu peinliche Unkenntnis über sich selbst und die Welt. Ich meine,
    schauen wir uns den spiegelgleichen und kaum weniger krassen religiösen Einfluss an, entlang
    der Achse Iran gegen USA, zwei Gottesstaaten, die sich für Gegensätze halten und dieselbe
    Grammatik sprechen.

    Euer Verteidigungsminister hat Tattoos, bei denen er in den meisten Armeen
    der Welt aussortiert würde, geschweige denn zum Minister befördert, Deus Vult, das Jerusalem
    Kreuz, die ganze Kreuzzugs-Ikonografie auf der Haut des Mannes, der über das größte Waffenarsenal
    der Geschichte verfügt.

    Und seit September 2025 heißt euer Verteidigungsministerium wieder
    offiziell Department of War, Kriegsministerium, weil euch die Verteidigung zu bescheiden
    klang.

    Man kann sich diese Details nicht mehr ausdenken. Sie werden geliefert, frei Haus, und
    ihr feiert sie als Stärke. Das gegenwärtige Theater ist kein Unfall, Ihr habt euch freien Stückes dafür
    entschieden, trotz Kapitalsturm als warnung, gestohelenen Gehimakten , die wohl längst irgenwie zu Geld gemacht wurden. Ihr merkt es nicht einmal, weil ihr euch nie fragt, ob ihr vielleicht selbst das Monster
    seid.

    Das ist die eigentliche Grausamkeit: nicht, dass ihr Böses tut, das tun alle Mächte,
    sondern dass ihr euch die Frage nie stellt.

    Jetzt lege ich das Gute in den Korb, und nicht als Alibi. Wer nur die Hälfte packt, lügt.
    Ihr habt sehr viel Geld in die UNO eingezahlt, jahrzehntelang die teure, undankbare
    Infrastruktur einer Weltordnung getragen, von der alle profitierten und für die keiner danken
    wollte.

    Ihr habt die Welt vielleicht vor noch größeren Monstern beschützt, sicher sogar — ohne
    euch hätte das zwanzigste Jahrhundert andere, hässlichere Sieger gehabt, und wer das leugnet,
    hat Geschichte durch Ideologie ersetzt. Aber ist das etwas Schönes, selbst ein Monster zu
    sein, nur ein etwas weniger schlimmes?

    Das ist die Frage, die ihr euch nie stellt, und sie
    ist keine Anklage, sie ist ein Angebot:

    Fragt euch das, zum zweihundertfünfzigsten, ein
    einziges Mal ehrlich. Und ja, es gibt die Idee. Kalifornien, die Erfindungskraft, die Kultur,
    die euch die Welt geneidet hat, der Jazz und das Kino und die Ingenieurskunst, die uns zum
    Mond brachte, das Versprechen, dass ein Mensch aus dem Nichts alles werden kann. Auch ich
    liebe die Idee Amerikas. Nur nicht mehr mit der Naivität meiner Kindheit, in der ich Reagan
    toll fand, sondern mit der traurigen Gewissheit, dass ihr euch längst auf dem Weg zu etwas
    Schönem verloren habt.

    Denn hier ist die absurde Wahrheit, die euer Selbstbild nicht verträgt: Eure Weltherrschaft
    existiert nur noch durch die Devotion anderer Nationen, die euch im Hier und Jetzt sowieso
    nur noch wegen des Dollars nicht aufkündigen.

    Das Image des Landes ist ziemlich weit unten, und es hält sich oben allein durch die Trägheit der Verträge und die Angst vor dem, was danach käme. Das ist keine Herrschaft mehr, das ist ein Leasingvertrag mit Kündigungsfrist.

    Ich denke, China, Indien, die EU sind mehr die Zukunft als dieses Rom der Neuzeit in seinen letzten Zügen.
    Und das Bittere daran ist, dass der Druck von innen kommt, schneller, als ihn je ein Gegner
    hätte erzeugen können. Eine Führung, die die Idee mit derselben Lautstärke feiert, in der sie
    sie aushöhlt.

    Also, Amerika, hier ist mein Geschenk zum runden Geburtstag: kein Kuchen, kein Feuerwerk,
    sondern ein Spiegel, in dem auch das Gute steht, damit du dem Bösen nicht ausweichen kannst,
    indem du das Ganze als Hass abtust. Es ist kein Hass. Es ist eine gealterte Liebe, die nicht
    mehr lügen will. Ich habe an dich geglaubt, als ich klein war, und ich glaube immer noch an
    die Idee, nur nicht mehr an dich.

    Vielleicht ist das das grausamste Geschenk von allen nichts mehr zu erwarten. Es ist stille Wanderung jener unter Euch die euch retten könnten, sie wandern einfach aus. Europa empfängst sie mit offenen Armen. Kanada. Andere Länder, die mehr euer Ideal mehr verkörpern als Ihr selbst.

    Danke für den Braintrust. und Hearttrust too.

    Und das, ausgerechnet das, wäre der Anfang, an dem du dich wieder ändern
    könntest, wenn du dich denn ein einziges Mal fragen würdest, warum ein alter Fan aus Graz am
    Balkon sitzt und dir zum Geburtstag die Wahrheit schenkt, statt Applaus.

    Dieses Essay ist Teil meines USA 250 Specials, 250 Pieces der etwas anderen Perepektive und Nachdenklichkeit über das Jahr verteilt.

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